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Freisinnige Zeitung, 26. Oktober 1888

Die Londoner Polizei hat wegen der Frauenmorde neuerdings „Bluthunde“, d.h. auf die Menschenspur abgerichtete Hunde, in ihren Dienst gestellt, die vorher im „Regents-Park“ eine Prüfung abzulegen hatten. Ueber die Abrichtung solcher Tiere giebt der Züchter Mr. Brough folgende Mitteilungen: Zuerst lehrt er die Hunde eine Strecke von etwa 100 Ellen auf Gras und gegen den Wind zu laufen. Um die Hunde zu ermutigen, wird ihnen Alles recht leicht gemacht. Der Mann, den sie zu verfolgen haben, ist zunächst immer einer von denen, die sie bereits kennen, und bevor er läuft und sich verbirgt, liebkost er sie und spielt mit ihnen. Die Hunde dürfen auch sehen, wie er läuft, dann aber muß er ihnen rasch aus dem Gesicht kommen und sich verstecken. Der „Trainer“, der die Richtung und den Weg des zu Suchenden genau kennt, führt nun die Hunde an der Leine und durch Ruf und Miene eifert er sie an, die Spur zu suchen und ihr zu folgen. Es ist natürlich, daß anfangs einige, selbst alle von der Meute die Nasen nicht zu Boden senken und auch nicht verstehen, was man von ihnen verlangt; aber der Trainer führt sie alsdann längs der Spur, bis sie zu dem Gesuchten kommen. Dann erhalten sie irgend einen Leckerbissen als Belohnung; das wird so oft wiederholt, bis die Hunde wissen, was man von ihnen haben will und, auf die Spur gebracht, selbstständig vorgehen. Stufenweise werden ihnen immer mehr Schwierigkeiten in den Weg gelegt, doch erst wenn sie zwölf Monate alt sind, läßt man sie „über Land“ gehen. Dann lehrt man sie auch gelegentlich Straßen und Bäche kreuzen, und wenn sie einen Fehler begehen, etwa die Spur zu überlaufen, selbst zurückkehren und die Spur wieder auffinden. – Der erste Versuch mit den beiden Hunden „Barnaby“ und „Burgho“ wurde morgens im Regents Park auf mit Reif bedeckten Pfaden gemacht, aber sie verfolgen dennoch etwa eine Meile mit Erfolg die Spur eines jungen Mannes, der 15 Minuten Vorsprung hatte. Nachts wurde im Hundepark ein zweiter Versuch angestellt, wobei die Hunde an der Leine geführt wurden, als ob sie in Whitechapel verwendet würden. Am nächsten Morgen fand bei gutem Wetter die Probe vor dem Oberhaupt der Staatspolizei, Sir Charles Warren, statt, der sich selbst zweimal dazu hergab, sich von den Hunden suchen und stellen zu lassen. Die Hunde mußten sechs „Gänge“ machen und jedes Mal solche Personen auffinden, die ihnen ganz fremd waren. Zu einigen Fällen wurde auch absichtlich die Spur verwischt. Dabei zeigte es sich, daß in einem solchen Falle die Hunde überrascht schienen, aber einer oder der andere fand doch die Spur wieder auf. Die beiden Tiere suchten gemeinschaftlich. Da es jedoch sehr kalt war, arbeiteten sie nur langsam, aber sie lieferten den Beweis, daß es für sie möglich ist, die Spur eines ihnen ganz fremden Menschen zu verfolgen, wenn sie auf dieselbe gebracht werden.

 

Thomas Schachner
(Dokument zuletzt bearbeitet am 20.11.06)






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