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The Graphic, 29. September 1888

LEICHENSCHAU UND DIE VERBRECHENSAUFKLÄRUNG.
Im Fall der kürzlich verübten schrecklichen Morde in Whitechapel haben einige Personen unterstellt, dass der Gerichtshof des Coroners seine gesetzliche Funktion überschreitet, indem er eine nicht notwendige ausgiebige Untersuchung abhält. Es gibt keinen Zweifel, dass diese Beschwerde bisweilen gerechtfertigt ist. Wenn sich ein Gefangener, im Verdacht den Mord begangen zu haben, in Gewahrsam befindet ist es offenkundig sinnlos, obwohl die Vorgehensweise üblich genug ist, Tag für Tag die gleiche Aussage vor dem Magistrat und Richter machen zu lassen. In einem derartigen Fall hat der Gerichtshof des Coroners hinlänglich seine Aufgabe erledigt wenn er die Todesursache geklärt hat und, wie Mr. Rowland treffend anmerkt, die Beweismittel eines Verbrechens, wenn eines existiert, sicherstellt. Im Fall des Whitechapel-Blutbads allerdings, war die Angelegenheit eine vollkommen andere. Niemand wurde verhaftet, für den genügend Beweismittel erbracht wurden, um seine Untersuchung in einem polizeilichen Gerichtshof zu bevollmächtigen. Deshalb hat der Gerichtshof des Coroners die einzige legale verfügbare Möglichkeit eingesetzt, um vereidigte Aussagen zu sammeln, die der Polizei auf der Suche nach dem Verbrecher von Nutzen sein konnten. Im Hinblick auf die Handlungen der Polizei, gibt es in einigen Vierteln eine Tendenz , die Effektivität unserer detektivischen  Maßnahmen zu verhöhnen, da die Person oder die Personen, die sich für diese schrecklichen Verbrechen verantwortlich zeigen immer noch auf freiem Fuß sind. Bestimmt ist dies aber sehr unangemessen, angesichts  der Tatsache, dass die Polizisten Männer sind wie wir und keine übernatürlichen Fähigkeiten besitzen. Verbrecher, die der unmittelbaren Festnahme entkommen, werden üblicherweise letztendlich doch gefasst, weil es entweder eine vorherige Bekanntschaft mit ihrem Opfer gab oder weil sie versuchen den erlangten Plunder loszuwerden. Aber solange man annahm – und nicht zu unrecht –, dass der Whitechapel-Mörder von einer simplen Mordlust getrieben wurde, war klar, dass er er ohne einen brauchbaren Hinweis zu hinterlassen entkommen konnte. Die medizinischen Indizien hingegen, werfen ein anderes Licht auf die Angelegenheit. Es scheint ziemlich sicher, dass diese verlassene Kreatur, Annie Chapman, aus gewinnsüchtigem Motiv ermordet wurde – ein Motiv welches den Schurkereien ähnelt, in seiner Grausamkeit jedoch übersteigen, welche die berüchtigten Burke und Hare vor sechzig Jahren begingen.

 

Thomas Schachner
(Dokument zuletzt bearbeitet am 19.08.08)






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