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Wiener Zeitung, 3. Januar 1899

(Der Mord in der Sylvester-Nacht.) Ohne Unterlaß sind im Laufe des heutigen Tages im Sicherheits-Bureau der Polizei-Direction Erhebungen gepflogen und Personen einvernommen worden, um zu erweisen, ob Simon Schosteritz, der Mörder der Anna Spilka, schuldig oder unschuldig ist an dem Morde, der am 26. December v. J. in Ottakring, Hahmerlegasse Nr. 27, an der Francisca Hofer begangen worden ist. Vorläufig haben die Nachforschungen der Polizei-Direction Folgendes ergeben: Am ersten Weihnachtstage, den 25. December, weilte Schosteritz den ganzen Tag über außer Hause. Am Abend wohnte er einer Tanzunterhaltung in Swoboda's Gasthaus im Prater bei, von der er erst spät Nachts heimkehrte. Auch am Tage der Blutthat in Ottakring, am 26. December, verließ er zeitlich Morgens sein Heim und ist erst um die dritte Morgenstunde nach Hause gekommen. Über die Zeit dieser Abwesenheit wird nun eingehend geforscht. Seine Schwester Anna Schosteritz gab an, daß sie thatsächlich am Abend des Stephans-Tages mit ihrem Bruder Simon im Gasthause "zur weißen Rose" im Prater war. Ihrer Angabe zufolge ist Schosteritz bis 9 Uhr Abends beim Tanze geblieben und hat sich dann allein entfernt. Nach Hause ist er aber erst um 3 Uhr Morgens zurückgekehrt. Nach der bisherigen Annahme ist nun der Mord an Francisca Hofer an diesem Abend in der Zeit von circa 9 bis 10 Uhr verübt worden. Wenn demnach der Fleischhauer-Gehilfe noch um 9 Uhr im Prater war, so ist es fast unmöglich, anzunehmen, daß er schon vor 10 Uhr die Francisca Hofer in Ottakring ermordet hat. Jedenfalls müssen nun, um den Alibibeweis des Schosteritz auf seine Wahrheit zu prüfen, die Nachforschungen noch weiter fortgesetzt werden.

 

Thomas Schachner
(Dokument zuletzt bearbeitet am 17.06.06)






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